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Essen-Werden 1924/80 e.V.
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Aktuelles von den Schachfreunden Essen-Werden
Wir sind Deutscher Meister 2025

2025 geht zu Ende. Aber wie sagt das Sprichwort, das Beste kommt zum Schluss.
Am 26.12. machten sich Teamchef Stefan Hütte, unser Teambetreuer Fide Meister Michael Coenen und unsere vier Spielerinnen Eva Malmström, Johanna Kraus, Alica Foltin und Daniela Claussen auf den Weg Richtung Norden. Ziel war die Deutsche Jugendvereinsmeisterschaft in Rotenburg an der Wümme.
In der Setzliste waren wir hinter Kreuzberg und Chemnitz auf Platz drei gesetzt.
Tag 1:
In der Frührunde ging es zunächst gegen Leipzig. Aber bekanntlich ist ja jeder Anfang schwer. Leider griff Eva bereits früh in der Eröffnung daneben und geriet dadurch in nicht mehr gut zu machenden Nachteil. Alica kam ganz ordentlich aus der Eröffnung. Nach einem Fehler der Gegnerin bekam sie Angriff, sammelte Material ein und konnte dann den Ausgleich erzielen. Daniela stand zu Beginn sehr passiv und konnte sich nur mit einem Bauernopfer befreien. Nach einigen taktischen Wirrnissen konnte Daniela zuerst den Faden wiederfinden und entscheidendes Material einsammeln 2:1. Johanna spielte eine ruhige solide Partie und konnte in ein besseres Endspiel abwickeln. Hier verteidigte sich die Gegnerin aber geschickt und konnte trotz Wenigerbauer sich erfolgreich verschanzen, so dass Johanna am Ende ins Remis einwilligte. Ein echter Arbeitssieg.
In der Nachmittagsrunde wartete dann bereits der Turnierfavorit aus Berlin Kreuzberg auf uns. Den Beginn machte Daniela. Nachdem sie in der Eröffnung mit Schwarz Ihrer Gegnerin einen Bauern abnehmen konnte, geriet sie nach und nach schwer in Bedrängnis. In klar vorteilhafter Stellung überschritt dann die Gegnerin aber im 24. Zug die Zeit. An Brett 1 spielte Eva die sizilianische Drachenvariante ungewöhnlich friedlich. Schnell wurde viel Material getauscht und die Partie sah sehr ausgeglichen aus. Dann gab die Gegnerin ohne Not den a-Bauern ab und nach einem weiteren Fehler konnte Eva das Läuferendspiel gewinnen 2:0. Alica spielte die Eröffnung ungenau und stellte Material ein. Erstaunlicherweise konnte sie dennoch in den nachfolgenden Zügen die Initiative übernehmen und einen durchaus gefährlichen Angriff aufbauen, der ihr zwischenzeitlich die Möglichkeit eröffnete, das verlorene Material zurück zu erobern. Leider verpasste sie diese Möglichkeit und die Gegnerin konnte nach einigen Vereinfachungen dann die Partie leicht gewinnen. Nun lief nur noch Johannas Partie. Nach komplizierten Manövern ausgangs einer Caro-Kann Abtauschvariante konnte Johanna zunächst eine Qualität gewinnen. Allerdings bekam die Gegnerin dafür einen gefährlichen Freibauern. Um diesen aufzuhalten musste Johanna dann leider in ein schlechtes Turmendspiel einlenken. Es entwickelte sich eine lange und schwierige Abwehrschlacht, die leider nicht gut für uns aus ging. Fazit ein Unentschieden gegen den Turnierfavoriten, das wohl alles in allem in Ordnung ging. Wir waren im Turnier angekommen.
Tag 2:
Morgens um 8:30 Uhr ging es gegen Lehrte dem Gastgeber und der Nr. 4 der Setzliste. Eine schwierige Aufgabe. Derweil trafen in Reihe 1 die beiden favorisierten Teams aus Kreuzberg und Chemnitz aufeinander. Aber zu unserer Begegnung. Zuerst tat sich was bei Daniela. Sie spielte eine ihr gut bekannte Variante und gewann einen Bauern und erzielte eine hervorragende Stellung. Wir waren voller Hoffnung. Alica hatte in ihrem Damengambit mit Schwarz irgendwann den Gambitbauern geschlagen und drohte ihn erfolgreich zu verteidigen. Daraufhin forcierte die Gegnerin die Geschehnisse. Bei dem Versuch ihren dadurch entstandenen isolierten Zentralbauern zu verteidigen, übersah Alicas Kontrahentin anscheinend, dass einer ihrer Springer keine Rückzugsmöglichkeit mehr hatte. Alica lies sich nicht lange bitten, sammelte den Springer und das „Strandgut“ ein. Der Rest war dann einfach. 1:0. Johanna am 2. Brett spielte mit Weiß so eine Art Katalanisch. Nach komplizierten Manövern konnte sie ein Endspiel Doppelturm und Läufer mit einem Mehrbauern erreichen. Auf Grund ihrer passiv stehenden Türme schien die Verwertung aber nicht einfach. Am Spitzenbrett hatte es Eva mit der mehrfachen Niedersachsenmeisterin WCM Anna Wilmink zu tun. Auf sie traf Eva zuletzt bei der Deutschen Einzelmeisterschaft. Zwischen den beiden entwickelte sich ein komplizierter und langwieriger Spanier. In der Zwischenzeit hatte Daniela ihren Vorteil verspielt und das Turmendspiel sah gar nicht gut aus. Wir befürchteten das schlimmste. Johanna konnte indes Fortschritte erzielen, einen Turm tauschen und mit dem König ins Zentrum laufen. Leider fand sie dann aber den Gewinnplan nicht und lief mit König zum a-Bauern um ihn zu gewinnen. Dies verschaffte aber der Gegnerin die Möglichkeit eine Stellungswiederholung zu erzwingen. Remis. Eva konnte in der Zwischenzeit bei weiterhin sehr komplizierter Stellung einen Bauern gewinnen. Es sah wieder gut für uns aus. An Brett 4 nahmen die Ereignisse ihren Lauf. Bei beiderseits sehr kreativem Spiel gelang es den zuschauenden Fans quasi nie den nächsten Zug zu erraten. Und aus heiterem Himmel entstand nun aber eine klare Remisstellung. 2:1. Kurze Zeit später bot Eva in vorteilhafter Stellung Remis und sicherte damit den Mannschaftsieg. Ein hartes Stück Arbeit aber verdient!
Im Spitzenduell konnte Chemnitz Kreuzberg knapp mit 2,5:1,5 besiegen. Das bedeutete wohl Showdown gegen Chemnitz bereits in Runde 4!
Nachmittagsrunde. Wie bereits erwartet, wurden wir gegen den Tabellenführer aus Chemnitz gelost. Jetzt ging es also um die Wurst. Wie üblich war zuerst bei Daniela an Brett 4 ordentlich was los. Um einer speziellen Vorbereitung der Gegnerin aus dem Weg zu gehen, ordnete Cheftrainer Michael eine Zugumstellung in der Eröffnung an. Daniela die zunächst Schwierigkeiten mit der veränderten Position hatte, konnte ihre Stellung zunächst konsolidieren und profitierte dann aber von einem kapitalen Fehler der Kontrahentin. Danach ging es schnell. 1:0. Alica spielte in der sizilianischen Verteidigung das sogenannte „frühe Fianchetto“. Ihre Gegnerin reagierte mit einer Art Maróczy-Aufbau (c4 – e4) um das Zentrum zu kontrollieren. Alica tauschte geschickt die schwarzfeldrigen Läufer und konnte so eine vorteilhafte Position erlangen. In der Folge wurden die Damen getauscht. Alica bildete einen gedeckten Freibauern im Zentrum. Nach einem Turmtausch und dem Eindringen ihres Königs im Zentrum war das Ende nicht mehr zu vermeiden. 2:0. Es lief gut. Johanna an Brett 2 zeigte wieder einmal ihre Vorliebe für der Nordosten von Spanien. Das was da auf dem Brett stand, sah doch sehr katalanisch aus. Ein paar komplizierte Manöver, jede Menge Abtausche und es entstand ein sehr bequemes Läuferendspiel mit Mehrbauer. Eva hat am Spitzenbrett einen Schotten auf dem Brett. Nach beiderseitigen langen Rochaden und dem Damentausch kann sich Evas Springer den a2 Bauern schnappen und wieder verschwinden. Notgedrungen versuchte die Gegnerin mit einer Taktik das Blatt zu wenden. Eva tauschte aber geschickt Turm gegen Läufer und Bauern und erhielt eine klar vorteilhafte Stellung. Im Glauben an den sicheren Sieg und um die Reservierung nicht verfallen zu lassen, fuhren Stefan und Daniela schon mal zum Restaurant vor. Ungläubig verfolgten sie nun online von der Hotelbar die Ereignisse im Turnier. Johanna lief mit ihren Freibauern vor, stellte diese aber auf die Farbe des Läufers. Da der feindliche König bereits vor ihnen stand, waren sie nun von hinten durch den Läufer angreifbar. Die Partie drohte zu kippen. Und Eva hatte es jetzt auch auf einmal eilig. Anstelle in aller Ruhe mit der kompletten Bauernarmee vorzurücken, wollte sie sofort durchbrechen, was allerdings nicht zum erhofften Ergebnis führte. Stattdessen wurde ihr Turm getauscht und die Gegnerin konnte ihrerseits einen Bauerndurchbruch am Königsflügel starten. Und die schöne +3 Stellung war auf einmal verloren. Kippte der Kampf jetzt komplett? Nein zum Glück fand Johanna noch einen Ausweg. Sie opferte ihren Läufer für den Bauern am Königsflügel und konnte dann den letzten Bauern am Damenflügel abtauschen. Remis! Geschafft. 2,5:1,5, wir hatten gewonnen. Das bedeutete die Tabellenführung. Zur Belohnung gab es nun ein fürstliches Abendessen bei Live Musik.
Tag 3:
In der Frührunde trafen wir nun auf die Mannschaft aus Solingen. Diesmal machte Eva den Anfang. Im Duell der alten und der neuen NRW-Meisterin gab es schon nach 14 Zügen einen Friedensschluss durch dreifache Stellungswiederholung. Da in der Turnierausschreibung die „Sofia“ Regelung ausgeschrieben war, durfte man ja nicht vor dem 20. Remis bieten. Als nächstes sahen wir, wie Alica bereits im 11. Zug einen gegnerischen Läufer fangen konnte. Das sah schon mal nicht schlecht aus. Das Ganze dauerte zwar noch recht lange, aber ruhig und stetig baute Alica ihren Vorteil aus und brachte gefahrlos den vollen Punkt nach Hause. Bei Daniela am 4. Brett blieb bereits in der Eröffnung ein Mehrbauer übrig. Bei den darauffolgenden Abtauschen blieb zuerst eine Figur, dann ein ganzer Turm übrig. Der Rest war dann nur eine Frage der Zeit. 2,5:0,5. Johanna mit den schwarzen Figuren spielend, hatte eine Caro-Kann Vorstoßvariante auf dem Brett. Im Verlaufe der Partie konnte sie sich etwas Vorteil erspielen. Nach dem Erreichen der Zeitkontrolle war ihre Stellung sicherlich vorteilhaft, aber da kein einfacher Sieg in Sicht war, einigten sich die Spielerinnen auf ein Unentschieden. 3:1.
Nach der Mittagpause mussten wir dann gegen die Münsteranerinnen ran. An Brett 2 musste Johanna gegen unsere ehemalige Gastspielerin Kiara antreten. Da Kiara in den vergangenen Jahren immer tolle Ergebnisse in unserem Team bei NRW und Deutschen Meisterschaften holte, war uns natürlich klar, dass Johanna hier eine schwere Aufgabe erwartete. Eine entsprechend ruhige und vorsichtige Partie entwickelte sich. Die Position war sicherlich etwas vorteilhaft für Johanna, aber derart zugefahren, dass kein echtes Vorwärtskommen in Sicht war. Und so einigte sich beide nach ca. 3 Stunden auf Punkteteilung. In der Zwischenzeit hatte sich bei Daniela am 4. Brett einiges getan. Nach einem ruhigen Vorstoßfranzosen (Trainer Michael war ganz stolz!) überlies die Gegnerin Daniela die offene a-Linie. Hier konnte sie mit ihrem Turm und einem Springer eindringen. Als der c3 Bauer zu fallen drohte, tauschte Weiß ihren Läufer gegen den gefährlichen Springer. Dabei unterschätze sie aber wohl, wie schnell der entstandene Freibauer vorrückte. Materialverlust war unvermeidlich. Nach knapp 3,5 Stunden streckte Weiß die Waffen. 1,5:0,5. In der Zwischenzeit konnte auch Alica Fortschritte verzeichnen. Am Anfang stand mal wieder ein „Karlsbader“ Damengambit. Alica spielte aber nicht den hier üblichen Minoritätsangriff am Damenflügel, sondern versuchte ihr Glück im Zentrum. Die nun folgenden Verwicklungen hinterließen schon die eine oder andere Sorgenfalte in den Gesichtern des Trainerstabs. Aber als der Rauch sich legte, hatte Alica zwei Leichtfiguren für einen Turm. Und von da an ging es zielstrebig gegen den gegnerischen Monarchen und auch wenn noch eine kleine Ungenauigkeit dabei war, hieß es dann Matt im 41. Zug. Am 1. Brett hatte es Eva mit Annika Clauß zu tun. Nach einem sehr ruhigen geschlossenen Sizilianer, konnte Eva so um den 20. Zug herum langsam die Initiative übernehmen und einen Freibauern im Zentrum bilden. Als Annika dann kurz darauf Material einstellte, war ihr Schicksal besiegelt. Nach ca. 4,5 Stunden war dann unser höchster Sieg bei dieser Meisterschaft mit 3,5:0,5 perfekt.
Kurz vor dem Ziel. Da sowohl Kreuzberg als auch Chemnitz zwischendurch noch einmal unentschieden spielten, war der 2. Platz vor der letzten Runde schon sicher. Und mit einem Unentschieden winkt der Meistertitel. Allerdings wartete mit Porta Westfalica auch noch ein starker Gegner auf uns.
Tag 4:
Das große Finale. Zwei Punkte bis zur Meisterschaft. Das muss doch irgendwie möglich sein. Morgens 8:30 Uhr geht es wieder los. Alle sind pünktlich da. Alle, nein Evas Gegnerin Rona Klahold erscheint nicht. Anscheinend hatte sie schon am Vorabend Magenprobleme. 15 Minuten Wartezeit und dann steht es 1:0 für uns. Na und der fehlende Punkt muss doch auch noch irgendwie zu holen sein. Ja und Daniela ließ sich auch nicht lange bitten. Griff wie immer kompromisslos mit allem, was sie hatte, an. Diesem Druck konnte die Gegnerin nicht lange Stand halten. Im 20. Zug fiel dann das erste größere Material. Noch eine kurze Schrecksekunde und dann war es aber auch vorbei. 10:46 Uhr kam die Nachricht über den Äther „Wir sind Meister.“ Dann nach ca. 3,5 Stunden der Anschlusstreffer für Porta. Alica hatte mal wieder Damengambit auf dem Brett nur diesmal mit Schwarz. Ausgangs der Eröffnung entstand eine etwa gleiche Stellung. Dann aber griff Alica mal so richtig daneben. Mit einem Damenzug stellte sie eine Mattdrohung auf, übersah dabei aber anscheinend, dass der simple Verteidigungszug f3 nicht nur Matt verhinderte, sondern auch ihrem Springer die Rückzugsmöglichkeiten nahm. Das konnte sie nicht mehr reparieren und musste folgerichtig kurze Zeit später die Waffen strecken. Die Partie von Johanna dauerte dann auch nicht mehr lang. In der Eröffnung spielte ihre Gegnerin Albins Gegengambit. Johanna behandelte das sehr vorsichtig und kam dennoch recht ordentlich aus der Eröffnung. Nach dem Damentausch konnte sie sogar einen Bauern gewinnen. Nach einer kleinen Ungenauigkeit wurde dann aber im großen Stil abgetauscht und es entstand ein ungefähr gleiches Bauernendspiel. Daraufhin einigten sich die Damen auf Remis. Damit wurde auch der letzte Kampf mit 2,5:1,5 gewonnen und es konnte gefeiert werden.
Deutscher Meister 2025!! Was für eine Leistung. Glückwunsch an alle unsere Kämpferinnen und das Betreuerteam.
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