Auch die erste Jugendmannschaft hatte so etwas wie ein Schicksalsspiel. In der letzten Runde hatten wir den SK Münster zu Gast. Die Münsteraner zählen seit vielen Jahren zu den Spitzenvereinen im NRW-Jugendschach. Im zeitgleich stattfindenden Kampf konnte die 2. Jugendmannschaft von Münster den Aufstieg in die Jugendbundesliga erkämpfen. Und auch unser Kampf bot auf Grund der besonderen Tabellensituation viel Spannung. Zumindest mathematisch war nämlich für beide Teams von Abstieg bis zur direkten Qualifikation zur DVM alles möglich. Beide Teams waren also entsprechend motiviert und traten in Bestbesetzung an. Das bedeutete dann wohl, dass wir leicht favorisiert waren. Dass das in der Liga nicht so richtig viel Bedeutung hat, zeigte sich schnell. Am Spitzenbrett spielte Kemal eine seltene Variante der „Russischen Verteidigung“ die normalerweise unter weißem Figurenopfer in einem Dauerschach endet. Bei dem Versuch das Material einzusammeln und dem drohenden Dauerschach zu entgehen, stand der schwarze König buchstäblich am „Ereignishorizont“. Der weiße Angriff wurde so mächtig, dass Kemal nach ca. 3 Stunden die Waffen strecken musste. Nun liefen wir also einem Rückstand hinterher. An Brett 3 hatte Collin die Damen getauscht und einen Bauern gewonnen. Das gegnerische Läuferpaar kam nicht so richtig ins Spiel. Das sah gut aus. An allen anderen Brettern stand es mehr oder weniger ausgeglichen aus. So gegen 14:00 Uhr dann der erste Lichtblick. Collin konnte den Ausgleich erzielen. Kontinuierlich verbesserte er seine Stellung und sammelte fleißig Bauern ein. Das war dann irgendwann zu viel. 1:1. Gegen 14:30 Uhr konnte dann Boris seinen Sieg verkünden. Sein Gegner spielte Wolga-Gambit. Boris lies sich nicht lange Bitten und nahm den Bauern. In der Folge konnte der Gegner aber kein echtes Gegenspiel am Damenflügel organisieren. Boris öffnete das Zentrum und in den entstandenen Verwicklungen konnte Schwarz weiteren Materialverlust nicht mehr verhindern. 2:1 die Führung für uns!
In der Zeitnotphase konnte Eva Material gewinnen. Direkt nach der Zeitkontrolle entstand dann ein Endspiel Turm, 2 Springer und Randbauer gegen Turm und 6 Bauern. Das sah natürlich gut aus! Aber kann man das auch gewinnen? Dann so etwa gegen 15:00 Uhr hieß es Remis an Brett 2. Yaroslav hatte es mit dem 11jährigen Supertalent Konstantin Müller zu tun. In einer zähen Kampfpartie wurde die Remiszone nie so richtig überschritten. In dem entstandenen Turm-Springer Endspiel war wohl für beide Seiten nichts zu holen. 2,5:1,5. Kurz darauf machte Eva dann den Sieg perfekt. Ihr war es gelungen die Türme zu tauschen zwei Bauern am Damenflügel zu erobern. Und da es Evas Gegner nicht gelungen war den Randbauern zu tauschen, war der Rest dann reine Formsache. 3,5:1,5! Gewonnen! Zum Schluss spielte dann noch Hendrik (wie immer!). In einem zähen „Katalanischen Damengambit“ wurde um jeden Zentimeter hart gekämpft. Und (wie immer) war so um den 25. Zug herum extreme Zeitnot. Diesmal aber auf beiden Seiten. Nichts für die schwache Nerven der Fans! Bei den komplizierten Verwicklungen am Damenflügel schaffte es Hendrik, das meiste Material zu tauschen und einen Mehrbauern zu ergattern. Das nach dem 40. Zug entstandene Turmendspiel mit entfernten Freibauern konnte er dann routiniert nach Hause bringen. 4,5:1,5 – dieser Sieg beschert uns Platz 3 in der Jugendbundeliga und damit die Teilnahme an der Deutschen Vereinsmeisterschaft im Dezember in Heidelberg.